Neurodivergenz, ADHS & Autismus
Neurodivergenz, ADHS & Autismus in Neumünster
Neurodivergenz beschreibt Gehirne und Nervensysteme, die anders wahrnehmen, denken, fühlen, filtern und reagieren als die sogenannte neurotypische Norm. Dazu gehören unter anderem ADHS, Autismus, AuDHS, also die Kombination aus ADHS und Autismus, sowie ausgeprägte Reizoffenheit, Hochsensibilität und besondere Formen der Wahrnehmungsverarbeitung.
In der Naturheilpraxis Schultz betrachten wir Neurodivergenz nicht als Makel. Und auch nicht als Modewort. Sondern als eine andere Art, in der Welt zu sein.
Viele neurodivergente Menschen haben ein Leben lang versucht, „normal“ zu funktionieren. Sie haben sich angepasst, maskiert, überleistet, geschluckt, gelächelt, durchgehalten und sich dabei selbst verloren. Nach außen wirkt vieles vielleicht kontrolliert. Innen aber herrschen oft Erschöpfung, Reizüberflutung, Gedankenkreisen, emotionale Wucht oder das Gefühl, nie ganz richtig zu sein.
Genau hier beginnt unsere Arbeit.
Neurodivergenz ganzheitlich verstehen
Neurodivergenz betrifft nicht nur Konzentration oder Sozialverhalten. Sie betrifft den ganzen Menschen: Nervensystem, Körperwahrnehmung, Stressverarbeitung, Schlaf, Hormone, Verdauung, Beziehungen, Arbeit, Selbstwert und Lebensgeschichte.
Wir schauen deshalb nicht nur auf einzelne Symptome. Wir fragen:
Was kostet Kraft?
Was wird ständig kompensiert?
Wo wird maskiert?
Was wurde als Charakterfehler verstanden, obwohl es eigentlich Nervensystem war?
Und was braucht dieser Mensch, um sich selbst endlich besser zu verstehen?
Neurodivergente Menschen sind oft nicht „zu empfindlich“, „zu chaotisch“, „zu direkt“, „zu emotional“ oder „zu kompliziert“. Häufig leben sie nur in Systemen, die nicht für ihre Wahrnehmung gebaut wurden.
Wofür kann eine neurodivergente Begleitung sinnvoll sein?
In unserer Praxis begleiten wir Menschen, die sich in ADHS, Autismus, AuDHS oder neurodivergenter Reizverarbeitung wiedererkennen. Manche kommen mit einer bestehenden Diagnose. Andere kommen mit einer Ahnung. Wieder andere haben jahrelang nur gehört, sie müssten sich mehr zusammenreißen.
Beispiele aus unserer Praxis sind:
Verdacht auf ADHS im Erwachsenenalter
Verdacht auf Autismus oder AuDHS
Reizüberflutung und sensorische Empfindlichkeit
innere Unruhe und Gedankenkreisen
Erschöpfung durch Masking und ständige Anpassung
Schwierigkeiten mit Struktur, Zeitgefühl und Alltag
Aufschieben, Blockaden und Startprobleme bei Aufgaben
emotionale Überflutung und starke Reaktionen
Ablehnungsempfindlichkeit und tiefe Kränkbarkeit
People Pleasing und dauerndes Funktionieren
soziale Erschöpfung nach Kontakten
Schwierigkeiten mit Übergängen und Veränderungen
Schlafprobleme bei überaktivem Nervensystem
hormonelle Verstärkung von ADHS- oder Autismus-Symptomen
Wechseljahre, Perimenopause und neurodivergente Dysregulation
das Gefühl, sich selbst erst spät im Leben wirklich zu erkennen
Gerade Frauen und Menschen, die lange gut funktioniert haben, werden häufig spät erkannt. Sie waren nicht unauffällig, weil nichts los war. Sie waren unauffällig, weil sie enorm viel Kraft in Anpassung gesteckt haben.
ADHS bei Erwachsenen
ADHS zeigt sich bei Erwachsenen oft anders als das klassische Bild vom zappeligen Kind. Viele Betroffene sind nicht äußerlich hyperaktiv, sondern innerlich getrieben. Der Kopf ist wach, schnell, sprunghaft, kreativ, aber oft auch erschöpft.
Typische Themen können sein:
Schwierigkeiten, Aufgaben anzufangen oder zu beenden
Zeitblindheit und ständiges Verschätzen von Aufwand
Chaos im Außen oder im Kopf
starke Begeisterung, aber schnelles inneres Wegkippen
emotionale Impulsivität
Reizoffenheit
Erschöpfung nach Überforderung
innere Unruhe
Probleme mit Routine, obwohl Routine helfen würde
Scham über „eigentlich einfache Dinge“
ADHS ist nicht einfach Faulheit. Es ist auch nicht mangelnde Disziplin. Oft ist es ein Problem von Regulation, Dopamin, Nervensystem, Reizfilterung und Energieverteilung.
Autismus und AuDHS
Autismus ist ein Spektrum. Viele autistische Menschen erleben die Welt intensiver, genauer, direkter oder weniger gefiltert. Sie nehmen Zwischentöne, Geräusche, Gerüche, Licht, Stimmungen, soziale Erwartungen oder Unstimmigkeiten oft stark wahr.
Bei Erwachsenen zeigt sich Autismus häufig nicht so, wie Klischees es behaupten. Viele haben gelernt, sozial zu funktionieren. Sie schauen hin, obwohl es anstrengt. Sie passen sich an, obwohl es Kraft kostet. Sie spielen Rollen, obwohl sie danach völlig erschöpft sind.
Mögliche Themen sind:
soziale Erschöpfung
Schwierigkeiten mit Small Talk
starkes Bedürfnis nach Klarheit und Vorhersehbarkeit
intensive Interessen
sensorische Überlastung
Rückzug nach Kontakten
Überforderung durch Unklarheit
starke Gerechtigkeitssensibilität
Schwierigkeiten mit plötzlichen Veränderungen
das Gefühl, auf dieser Welt oft „falsch übersetzt“ zu werden
Bei AuDHS treffen ADHS und Autismus zusammen. Das kann innerlich widersprüchlich wirken: Ein Teil sucht Abwechslung, der andere braucht Sicherheit. Ein Teil will spontan sein, der andere braucht Planbarkeit. Ein Teil brennt schnell, der andere ist erschöpft vom Brennen.
Neurodivergenz, Hormone und Körper
Neurodivergenz ist nicht nur Kopfsache. Viele Menschen erleben, dass Zyklus, PMS, Perimenopause, Wechseljahre, Schlafmangel, Stress, Schilddrüse, Darm, Blutzucker oder Nährstoffmängel ihre Symptome deutlich verstärken können.
Deshalb verbinden wir in der Naturheilpraxis Schultz neurodivergente Begleitung mit einem ganzheitlichen Blick auf den Körper.
Je nach Situation können dabei eine Rolle spielen:
Nervensystem und Stressregulation
Schlaf und Erholung
hormonelle Umbruchphasen
Zyklus und PMS
Perimenopause und Wechseljahre
Darm und Verdauung
Mikronährstoffe
Blutzucker und Energie
Erschöpfung und Überlastung
alte Anpassungs- und Traumamuster
Denn manchmal ist nicht nur das Gehirn „anders“. Manchmal ist auch der Körper seit Jahren im Alarmmodus.
Was wir in der Begleitung anbieten
Wir bieten neurodivergente Begleitung, Orientierung und Einordnung für Menschen an, die sich selbst besser verstehen möchten.
Dazu gehören je nach Anliegen:
ausführliche Anamnese
gemeinsame Sortierung der Lebensgeschichte
Einordnung von ADHS-, Autismus- oder AuDHS-Hinweisen
Besprechung von Fragebögen und Selbstbeobachtungen
Psychoedukation
Alltagshilfen und Regulation
Begleitung bei Überforderung, Masking und Erschöpfung
naturheilkundlicher Blick auf Hormone, Schlaf, Darm und Nervensystem
Unterstützung bei Selbstwert, Grenzen und Identität
Vorbereitung auf eine weiterführende fachärztliche oder psychotherapeutische Diagnostik, falls gewünscht oder notwendig
Eine fachärztliche oder psychotherapeutische Diagnostik wird dadurch nicht ersetzt. Unsere Arbeit kann aber helfen, die eigenen Muster besser zu verstehen, Zusammenhänge zu erkennen und den nächsten sinnvollen Schritt zu finden.
Späte Erkenntnis: „Ich bin nicht falsch“
Viele Menschen kommen erst mit 30, 40, 50 oder noch später zu der Frage: Könnte ich neurodivergent sein?
Oft ist dieser Moment kein Zusammenbruch, sondern eine Heimkehr.
Plötzlich ergibt vieles Sinn: die Erschöpfung nach sozialen Situationen, das Gefühl von Anderssein, die Reizempfindlichkeit, die starken Emotionen, das Chaos, die Hochleistung, die Anpassung, der Perfektionismus, das ständige Funktionieren.
Neurodivergenz zu verstehen bedeutet nicht, sich auf eine Diagnose zu reduzieren. Es bedeutet, die eigene Gebrauchsanweisung wiederzufinden.
Und manchmal ist genau das der Anfang von echter Veränderung.

